Am ersten Dezemberwochenende waren mein Kollege und ich drei Tage in Peking. Hin und zurück ging es mit dem Nachtzug, die Fahrt dauerte 10 Stunden. Bereits am Bahnhof merkte man, dass sich 1,3 Milliarden Menschen in diesem Land tümmeln. Gut tausend Chinesen pferchten sich in die große Halle, darunter viele Wanderarbeiter. Betreten kann man sie nur wenn man ein Ticket hat. Wie am Flughafen wurde auch das Gepäck durchleuchtet. Unsere Wartehallte fanden wir, indem wir die Chinesischen Zeichen auf unserem Fahrschein mit denen auf der Anzeigetafel verglichen. Brav stellten wir uns an 684. Stelle in die Warteschlange. Es fuhren also noch ein paar andere Leute nach Peking.
Bei der Hinfahrt teilten wir unser Abteil mit zwei Offizieren der Volksbefreiungsarmee. Zu gerne hätte ich mich mit ihnen über ihr Freiheits- und Demokratieverständnis ausgetauscht, doch leider war deren Englisch eher dürftig. Wir vertagten das Ganze also. Nach einem kleinen Weinchen aus dem Bordrestaurant ging es dann auch schon auf die Pritsche.

Gute Freunde…
Am nächsten Morgen fuhren wir gegen sieben Uhr in Peking ein. Das Gewusel nahm auch hier kein Ende. Erster Eindruck von der Stadt: sauberer und moderner als Suzhou. Wir schnappten uns ein Taxi und fuhren gleich zu unserem Hostel um dort unser Gepäck abzuladen und einen Chinesen zu treffen den ich zwar nicht kannte, der aber eine Weile in Haldenwang (meinem Heimatdorf) gewohnt hatte.
Dieser brachte seine Frau mit und wir fuhren als erstes zum Himmelstempel der in einer großen Parkanlage liegt. Dort versammeln sich geschätzte zehntausend Chinesen (überwiegend Rentner) um Tai Chi zu prakizieren, Mahjong zu spielen oder spontan zu kreischen singen. Auch hier kam man sich vor wie beim Aldi-Ausverkauf.

Nächste Stationen waren der Platz des Himmlischen Friedens und natürlich die verbotene Stadt die inzwischen gar nicht mehr so verboten ist, also eigentlich die legale Stadt. In dieser hauste ja der Kaiser, aber nach ausgiebiger Besichtigung muss ich sagen, dass ich doch ein Allgäuer Berghäusle bevorzugen würde.


Nach dem wir uns den Sonnenuntergang auf einem Hügel nördlich der verbotenen legalen Stadt angeschaut hatten ging es dann wieder zum Essen mit unserem Chinesen, der diesmal ein paar Freunde mitbrachte. Es gab original knusprig-fettige Pekingente. Diese und die Beilagen waren doch ziemlich lecker. Suzhou scheint wirklich das kulinarische Loch Chinas zu sein. Nachdem wir noch eine Weile in einer der Barstraßen herumschlenderten ging es dann auch schon wieder zurück ins Hostel.

Am nächsten Morgen holte uns der Freund unseres Freundes ab und wir schauten uns den Lama Tempel an, den größten tibetischen Tempel in Peking. Hier gab es nich nur eine 18m hohe Buddha-Statue zu sehen sondern auch bekiffte Mönche, was vermutlich am tonnenweise abgefackelen Räucherwerk lag.
Dann stand der Olympiapark auf dem Programm, zu sehen gab es das Vogelnest-Stadion, die Schwimmhalle und alles drumherum.
Und wieder gingen wir Essen. Wobei ich mich weder für Schafshodenscheiben, noch für Schildkrötensuppe oder Eingeweidesalat erwärmen konnte. War aber sehr lecker.
Jetzt war noch schnell der Sommerpalast der Kaiserin Mutter dran. Auch ein Riesen Palast auf einem riesigen Grundstück. Teilweise hatte man dafür von Hand extra einen See gegraben. Wenn man’s hat…
Zum Abendessen gingen wir ein ein koreanisches Restaurant. Denn zum Essen sollte es was ganz besonderes geben.

Der Hauptgang im Rohzustand (geklautes Bild)…

…und gekocht (eigenes Bild).
Ja, wir haben Hundegeschnetzeltes gegessen! Geschmacklich hat es mehr an Schwein erinnert, aber ich habe auch gelesen, dass die delikaten Vorderläufe irgendwo zwischen Kalbsfleisch und Wild angesiedelt sein sollen.
Bevor mich jetzt jemand als herzlosen Hundefresser verteufelt, noch ein paar Fakten:
- Es werden nur spezielle Fleischhunde gegessen von denen die Koreaner sagen sie seien so dumm, dass sie wirklich nur zum Essen taugen. Man kann ihnen nicht einmal etwas beibringen.
- Es gibt Restaurants in denen man bestellen kann, wie oft der Hund vor seiner Tötung geschlagen wird. Das ist Tierquälerei und wird auch von meinen chinesischen Freunden verachtet.
- Nun gut es mag ethisch fragwürdig sein, aber einerseits hasse ich Hunde (ich könnte niemals eine süße Miezekatze essen) und andererseits wird diesere kulinarische Ausflug ein einmaliger gewesen sein.
- Hund soll (wie fast alles auf chinesischen Speisekarten) sehr gut für die Potenz sein. Der Freund meines Freundes bot mir auch gleich seine Schwester an um die Wirkung überprüfen zu können. Wie nett von ihm. Ich habe dankend abgelehnt.
An dieser Stelle möchte ich noch alle Hunde warnen die hier mitlesen und die darüber nachdenken mich in absehbarer Zukunft durch Bellen, Hundehaufen und Beißen zu belästigen: Überlegt es euch zweimal, ihr wisst jetzt zu was ich fähig bin!
Am nächsten Morgen ging es dann schon um sieben mit dem Bus nach Jinshanling. Dort erwartete uns nach zwei Stunden Fahrt das China-Highlight: Die Chinesische Mauer.
Bei ca. -10°im Schatten ging es los. Ich war mit langer Unterwäsche bestens vorbereitet. Die Amerikaner allerdings weniger und deshalb machten die Schal-, Handschuh- und Mützenverkäufer ein riesen Geschäft. Wir liefen zuerst vom Tal auf den Hügel auf dem die Mauer verlief. Doch unsere 10-köpfige Gruppe war nicht allein. Weitere 10 Chinesen gesellten sich zu uns und fingen an sich mit uns zu unterhalten, boten sich an ein Foto zu machen oder lächelten einen einfach nur freundlich an. Mir kam das spanisch vor, denn sie wollte uns gar nichts verkaufen.
Auf der Mauer angekommen war dann die Wanderung an der Reihe. Sie dauerte ein paar Stunden und erstreckte sich über mehrere Kilometer. Die Aussicht und natürlich auch die Mauer selbst waren fantastisch. Die Wanderung war aber auch Anstrengend und mit einer kleineren Bergtour vergleichbar. Hin und wieder trafen wir auf Verkäufer die uns durstigen dehydrierten Wanderern Bier und Cola andrehen wollten. Das allerletzte was wir in diesem Moment brauchten.
Auf halber Strecke machten sich dann unsere chinesischen Begleiter ans Werk. Plötzliche wurden die Taschen geöffnet und wir bekamen, Bilderbände, Stofftaschen und T-Shirts angeboten. Und wenn man kein Interesse zeige warfen sie uns gleich vor, dass wir keine guten Freunde seien. Gar nicht so blöd, der vorherige Aufbau einer Kundenbeziehung. Trotzdem kauften wir nichts. So mussten also die Verkäufer (teilweise über 60-Jahre alt) den ganzen anstrengenden Weg zurückgehen. Wir hatten sie schließlich nicht gefragt ob sie mitkommen wollten. Nach weiteren Kilometern und vielen vielen Bildern stiegen wir wir wieder ins Tal und fuhren mit dem Bus zurück nach Peking. Wir waren übrigens die einzige Reisegruppe auf unserem Mauerabschnitt. War ziemlich leer und deshalb auch besonders schön.
Viel Zeit blieb uns dann nicht mehr, wir kehrten noch in ein tibetisches Restaurant ein, fuhren dann zum Bahnhof und machten uns wieder auf nach Suzhou.
Das war’s für heute. Hat diesmal leider etwas länger gedauert, aber der nächste Artikel kommt schon bald.
Ich wünsche all meinen Lesern und treuen Ehrenlesern (Hr. Haisch, Hr. Dr. Stehle und dem jemenitischen Botschafter Lukasar Al-Krupinskari) ein schönes Weihnachtsfest und gesegnete Feiertage!
