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Ende der Reise

Nach fast einem ganzen Jahr im Ausland bin ich also wieder zurück. Schnee und klare kalte Luft haben mich erwartet. Wie schön. Die ersten Tage waren noch vom Kulturschock und vom Jetlag gezeichnet, mittlerweile hab ich mich aber wieder ganz gut eingelebt. Nur das Trinken von Grünem Tee kann ich nicht lassen und den Hunger auf Hund muss ich auch unterdrücken…

Alles in allem kann ich sagen dass es eine unvergessliche Zeit war und ich meinen Horizont extrem erweitern konnte. Wer auch mal ins Ausland will, hier noch ein paar Adressen zur Information:

www.ausgetauscht.de => für Schüler
www.daad.de => Studenten
www.inwent.org => Asien-Programm für Jedermann
www.rausvonzuhaus.de => Allgemeine Informationen
www.englishinbritain.de => hervorragender, kostenloser Sprachschulvermittlungsdienst.

An dieser Stelle noch ein Dankeschön an alle Leser.

Ende

Fortsetzung folgt…

Silvester in China

Die Chinesen sind als Erfinder des Schwarzpulvers ganz verrückt nach Knallerei. Jeden Freitag veranstaltet die Stadt ein riesiges, halbstündiges Feuerwerk am See. Hunderte Leute beobachten dieses Spektakel. Auch Hochzeiten werden am Wochenende mit gurkengroßen Böllern angeschossen. Man hat den Eindruck der Krieg bricht aus. Chinesische Böller sind aufgrund der dortigen (nicht vorhandenen) Vorschriften auch um einiges lauter. Jedesmal wenn die Ballerei vorbei ist, heulen die Autoalarmanlagen und -bewegungsmelder auf den Parkplätzen wild durcheinander.

Deshalb war ich natürlich besonders gespannt auf das Silvesterfeuerwerk. Zwar bedeutet den Chinesen das gregorianische Silvester nicht viel, denn für sie beginnt das neue Jahr nach dem Mondkalender am 26. Januar, aber da hier ja schon zu Weihnachten ein Großfeuerwerk abgebrannt wurde, war ich mir sicher dass man sich auch am 31. die Gelegenheit zum Knallen nicht entgehen lässt.

20.00 Uhr: etwa alle halbe Stunde knallt es draußen. Noch passt alles.

23.35 Uhr: Ich mache mich auf zum See.

23.50 Uhr: Ich bin am See, doch fast allein. Wo sind all die Leute? Ist das Großfeuerwerk in der Innenstadt?

23.55 Uhr: Man hört in der Ferne einen Knall. Vermutlich ein Böller.

24.00 Uhr: Vereinzelt wird irgendwo geschossen. Ich stehe allein an der langen Uferpromenade, kann ein riesiges Areal überblicken und mache vier Stellen aus von denen Feuerwerk aufsteigt.

00.05 Uhr: Irgendwo in der Ferne knallt es noch, Feuerwerk sehe ich keines mehr.

00.10 Uhr: Es ist still geworden.

Ja, äh, das war also Silvester im Land in dem das Schießpulver erfunden wurde! Schwache Leistung Jungs, ganz schwache Leistung! Da müsst ihr wohl noch ein wenig üben.

Auf den Hund gekommen.

Am ersten Dezemberwochenende waren mein Kollege und ich drei Tage in Peking. Hin und zurück ging es mit dem Nachtzug, die Fahrt dauerte 10 Stunden. Bereits am Bahnhof merkte man, dass sich 1,3 Milliarden Menschen in diesem Land tümmeln. Gut tausend Chinesen pferchten sich in die große Halle, darunter viele Wanderarbeiter.  Betreten kann man sie nur wenn man ein Ticket hat. Wie am Flughafen wurde auch das Gepäck durchleuchtet. Unsere Wartehallte fanden wir, indem wir die Chinesischen Zeichen auf unserem Fahrschein mit denen auf der Anzeigetafel verglichen. Brav stellten wir uns an 684. Stelle in die Warteschlange. Es fuhren also noch ein paar andere Leute nach Peking.

Bei der Hinfahrt teilten wir unser Abteil mit zwei Offizieren der Volksbefreiungsarmee. Zu gerne hätte ich mich mit ihnen über ihr Freiheits- und Demokratieverständnis ausgetauscht, doch leider war deren Englisch eher dürftig. Wir vertagten das Ganze also. Nach einem kleinen Weinchen aus dem Bordrestaurant ging es dann auch schon auf die Pritsche.

Gute Freunde...

Gute Freunde…

Am nächsten Morgen fuhren wir gegen sieben Uhr in Peking ein. Das Gewusel nahm auch hier kein Ende. Erster Eindruck von der Stadt: sauberer und moderner als Suzhou. Wir schnappten uns ein Taxi und fuhren gleich zu unserem Hostel um dort unser Gepäck abzuladen und einen Chinesen zu treffen den ich zwar nicht kannte,  der aber eine Weile in Haldenwang (meinem Heimatdorf) gewohnt hatte.

Dieser brachte seine Frau mit und wir fuhren als erstes zum Himmelstempel der in einer großen Parkanlage liegt. Dort versammeln sich geschätzte zehntausend Chinesen (überwiegend Rentner) um Tai Chi zu prakizieren, Mahjong zu spielen oder spontan zu kreischen singen. Auch hier kam man sich vor wie beim Aldi-Ausverkauf.

Himmeltempel

Nächste Stationen waren der Platz des Himmlischen Friedens und natürlich die verbotene Stadt die inzwischen gar nicht mehr so verboten ist, also eigentlich die legale Stadt.  In dieser hauste ja der Kaiser, aber nach ausgiebiger Besichtigung muss ich sagen, dass ich doch ein Allgäuer Berghäusle bevorzugen würde.

Platz des Himmlischen Friedens.Blick auf die verbotene Stadt.

Nach dem wir uns den Sonnenuntergang auf einem Hügel nördlich der verbotenen legalen Stadt angeschaut hatten ging es dann wieder zum Essen mit unserem Chinesen, der diesmal ein paar Freunde mitbrachte. Es gab original knusprig-fettige Pekingente. Diese und die Beilagen waren doch ziemlich lecker. Suzhou scheint wirklich das kulinarische Loch Chinas zu sein. Nachdem wir noch eine Weile in einer der Barstraßen herumschlenderten ging es dann auch schon wieder zurück ins Hostel.

Peking-Ente

Am nächsten Morgen holte uns der Freund unseres Freundes ab und wir schauten uns den Lama Tempel an, den größten tibetischen Tempel in Peking. Hier gab es  nich nur eine 18m hohe Buddha-Statue zu sehen sondern auch bekiffte Mönche, was vermutlich am tonnenweise abgefackelen Räucherwerk lag.

Dann stand der Olympiapark auf dem Programm, zu sehen gab es das Vogelnest-Stadion, die Schwimmhalle und alles drumherum.

Und wieder gingen wir Essen. Wobei ich mich weder für Schafshodenscheiben, noch für Schildkrötensuppe oder Eingeweidesalat erwärmen konnte. War aber sehr lecker.

Jetzt war noch schnell der Sommerpalast der Kaiserin Mutter dran. Auch ein Riesen Palast auf einem riesigen Grundstück. Teilweise hatte man dafür von Hand extra einen See gegraben. Wenn man’s hat…

Zum Abendessen gingen wir ein ein koreanisches Restaurant. Denn zum Essen sollte es was ganz besonderes geben.

Hund

 

 
Der Hauptgang im Rohzustand (geklautes Bild)…

 Hundegeschnetzeltes.

 

 
…und gekocht (eigenes Bild).

 

Ja, wir haben Hundegeschnetzeltes gegessen! Geschmacklich hat es mehr an Schwein erinnert, aber ich habe auch gelesen, dass die delikaten Vorderläufe irgendwo zwischen Kalbsfleisch und Wild angesiedelt sein sollen.

Bevor mich jetzt jemand als herzlosen Hundefresser verteufelt, noch ein paar Fakten:

  • Es werden nur spezielle Fleischhunde gegessen von denen die Koreaner sagen sie seien so dumm, dass sie wirklich nur zum Essen taugen. Man kann ihnen nicht einmal etwas beibringen.
  • Es gibt Restaurants in denen man bestellen kann, wie oft der Hund vor seiner Tötung geschlagen wird. Das ist Tierquälerei und wird auch von meinen chinesischen Freunden verachtet.
  • Nun gut es mag ethisch fragwürdig sein, aber einerseits hasse ich Hunde (ich könnte niemals eine süße Miezekatze essen) und andererseits wird diesere kulinarische Ausflug ein einmaliger gewesen sein.
  • Hund soll (wie fast alles auf chinesischen Speisekarten) sehr gut für die Potenz sein. Der Freund meines Freundes bot mir auch gleich seine Schwester an um die Wirkung überprüfen zu können. Wie nett von ihm. Ich habe dankend abgelehnt.

An dieser Stelle möchte ich noch alle Hunde warnen die hier mitlesen und die darüber nachdenken mich in absehbarer Zukunft durch Bellen, Hundehaufen und Beißen zu belästigen: Überlegt es euch zweimal, ihr wisst jetzt zu was ich fähig bin!

Am nächsten Morgen ging es dann schon um sieben mit dem Bus nach Jinshanling. Dort erwartete uns nach zwei Stunden Fahrt das China-Highlight: Die Chinesische Mauer.

Bei ca.  -10°im Schatten ging es los. Ich war mit langer Unterwäsche bestens vorbereitet. Die Amerikaner allerdings weniger und deshalb machten die Schal-, Handschuh- und Mützenverkäufer ein riesen Geschäft. Wir liefen zuerst vom Tal auf den Hügel auf dem die Mauer verlief. Doch unsere 10-köpfige Gruppe war nicht allein. Weitere 10 Chinesen gesellten sich zu uns und fingen an sich mit uns zu unterhalten, boten sich an ein Foto zu machen oder lächelten einen einfach nur freundlich an. Mir kam das spanisch vor, denn sie wollte uns gar nichts verkaufen.

Auf der Mauer angekommen war dann die Wanderung an der Reihe. Sie dauerte ein paar Stunden und erstreckte sich über mehrere Kilometer. Die Aussicht und natürlich auch die Mauer selbst waren fantastisch. Die Wanderung war aber auch Anstrengend und mit einer kleineren Bergtour vergleichbar. Hin und wieder trafen wir auf Verkäufer die uns durstigen dehydrierten Wanderern Bier und Cola andrehen wollten. Das allerletzte was wir in diesem Moment brauchten.

Auf halber Strecke machten sich dann unsere chinesischen Begleiter ans Werk. Plötzliche wurden die Taschen geöffnet und wir bekamen, Bilderbände, Stofftaschen und T-Shirts angeboten. Und wenn man kein Interesse zeige warfen sie uns gleich vor, dass wir keine guten Freunde seien. Gar nicht so blöd, der vorherige Aufbau einer Kundenbeziehung. Trotzdem kauften wir nichts. So mussten also die Verkäufer (teilweise über 60-Jahre alt) den ganzen anstrengenden Weg zurückgehen. Wir hatten sie schließlich nicht gefragt ob sie mitkommen wollten. Nach weiteren Kilometern und vielen vielen Bildern stiegen wir wir wieder ins Tal und fuhren mit dem Bus zurück nach Peking. Wir waren übrigens die einzige Reisegruppe auf unserem Mauerabschnitt. War ziemlich leer und deshalb auch besonders schön.

Viel Zeit blieb uns dann nicht mehr, wir kehrten noch in ein tibetisches Restaurant ein, fuhren dann zum Bahnhof und machten uns wieder auf nach Suzhou.

Das war’s für heute. Hat diesmal leider etwas länger gedauert, aber der nächste Artikel kommt schon bald.

Ich wünsche all meinen Lesern und treuen Ehrenlesern (Hr. Haisch, Hr. Dr. Stehle und dem jemenitischen Botschafter Lukasar Al-Krupinskari) ein schönes Weihnachtsfest und gesegnete Feiertage!

Hohoho!

Leider hat es etwas gedauert bis ich wieder etwas schreiben konnte. Hier dreht sich seit einer Woche nur noch alles um dieses schreckliche Ereignis. Ich war so frei und habe einen Pressetext kopiert:

In der chinesischen Stadt Suzhou (Provinz Jiangsu) ist am Dienstag ein Sack Basmati-Reis umgefallen. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf Parteikreise berichtete, neigte sich das 20-Kilo-Gebinde zunächst fast unmerklich, um dann plump umzukippen. Gefahr für die Bevölkerung bestand nach öffentlichen Angaben zu keiner Zeit. Es wird jedoch vermutet, dass die chinesische Regierung den Vorfall herunterspielt. Gerüchte, dass bei dem Sturz eine trächtige eierlegende Wollmilchsau verletzt wurde, wurden zurückgewiesen.
„Wir haben schon lange mit so einer Situation gerechnet und waren vorbereitet“, so der Vizedirektor der Lebensmittelbehörde, Sheng Fui. Zeugen berichteten von einem fast geräuschlosem Ereignis. Viele von ihnen befinden sich bereits in psychologischer Behandlung. Als die Weltpresse vor Ort eintraf um über das schreckliche Geschehen zu berichten, konnte der umgefallene Sack nicht ausfindig gemacht werden. Politische Beobachter mutmaßen, dass Soldaten der Volksbefreiungsarmee diesen in einer Nacht und Nebel Aktion wieder aufgerichtet haben.
Die Börse reagierte Promt. Der Preis für Basmati-Reis fiel ins Bodenlose. Ob der Zwischenfall von Reisspekulanten inszeniert wurde, ist noch unklar. Der Reisauschuss der Kommunistischen Partei hat inzwischen eine Untersuchungskommission eingerichtet.

Sichuan? Schon mal gehört? Ja richtig, das war doch die chinesische Provinz in der es dieses Jahr ordendlich gebebt hat. Zehntausende Menschen wurden getötet, Millionen odachlos. Glücklicherweise haben die Chili-Stauden das ganze unbeschadet überstanden.

Meine Meinung über das Essen in meiner Region hab ich ja schon in mehreren Artikeln kund getan. Daran hat sich auch zwischenzeitlich nichts geändert. Gestern wurde ich aber eingeladen, mit ein paar Kollegen zu Abend zu essen und eine Bootsfahrt zu machen.

Wir gingen also in ein Restaurant, in dem regionales Essen aus der Provinz Sichuan auf dem Speiseplan stand. Ich hatte ja schon gehört dass dieses Essen sehr würzig sei, war aber dann doch etwas überrascht. Hauptbestandteil eines jeden Gerichts waren nämlich Chilis. Und Hauptbestandteil heißt Hauptbestandteil. Im nachfolgenden Bild mal ein kleiner Eindruck.

chilichicken

Rezept für Sichuan Chili Chicken:
Man nehme ein Halbes Hähnchen und 500g Chilis, lege diese auf ein Hackbrett und zerkleinere sie in kleine Brocken mit dem Hackebeil. Anschließend im Ofen backen und mit Chili, Pfeffer und Tabasco würzen. Fertig – dem Genuss steht nun nichts mehr im Wege.
Die Knochen des Hähnchens geben beim kauen lustige Knurpsgeräusche. Aufgrund der Fieselei sind sie leider unmöglich zu entfernen.

Weitere Gerichte: Chili mit Schweinefleisch, Chili mit Rindfleisch, Chili-Suppe, Chili-Tofu, etc.

Da ich in Singapur schon an scharfes Essen gewöhnt wurde, war es nicht ganz so schlimm. Das Problem war aber, dass meine Nase zu laufen begann und es in China absolut unhöflich ist, sich die Nase zu schneuzen. So saßen also um die zehn Chinesen und ich am Tisch, und zogen abwechselnd und laut den Rotz hoch. Mahlzeit.

Das Essen an sich war aber sehr gut und bis jetzt das Beste, was ich in an chinesischem Essen in China probiert habe.

Sayonara Japan

Am Samstag bin ich noch gemütlich durch die Straßen Tokios geschlendert, vorbei an den Mauern des riesigen Kaiserpalasts und durch die sich färbenden Alleen mehrerer Parks. Am Abend marschierte ich dann mit der Karte in der Hand durch die Gassen, um mein Quartier für diese Nacht zu finden.
Ich ging gerade an einem alten Mann vorbei, der das wohl sah, und mir gleich hinterherschrie, ob er mir helfen könne. „Habla Espanol?“ hat er mich dann auch noch gefragt, aber da er schwerhörig war, ging eh die Hälfte meiner Worte im Nichts unter. Ich fragte ihm also nach dem Weg, doch den wusste er nicht. Aber er bestand darauf mir zu helfen, obwohl mir klar war, dass mich das nur Zeit kosten würde. So war es dann auch, denn der alte Mann tapste in kleinen Schritten vorwärts, sein Herz war nicht mehr das allerjüngste. Er fragte jeden Japaner der unseren Weg kreuzte nach meiner Herberge, doch keiner konnte uns weiterhelfen. Bis wir zu einer art Innenausstatter-Werkstatt kamen, dessen Inhaber uns dann eine Karte kopierte auf der meine Unterkunft eingezeichnet war.

Doch wieder wollte der alte Mann nicht von meiner Seite weichen und fragte trotz Karte jeden Fußgänger nach dem Weg. Mehrmals mussten wir ein kleines Päuschen machen und er hielt sich die Hand an sein Herz. Als er jedoch das Schild meiner Herberge sah, blieb er an der 30m entfernten Ecke stehen und sagte er lässt mich den Rest alleine gehen. Dann stützte er sich an einer Straßenlaterne ab und keuchte und schnaufte. Und das obwohl wir nur einen Meter in zwei Sekunden zurückgelegt hatten. Hoffentlich hat es sein Herz noch bis nach Hause geschafft.

Zum Abendessen gab es dann ein letztes Mal Supermarkt-Sushi und andere Leckereien. Am Sonntag schaute ich mir dann noch die letzten Highlights in Tokio an. Das moderne Shibuya mit all den Reklametafeln und Menschen und den Yoyogi-Park in dem die verrücktesten Leute zu finden waren. Von Männern die in Elvis-Verkleidung zu Rock’n Roll tanzten über einem Weg an dem zig Bands im Abstand von zehn Metern ihre Alben vorstellten, bis hin zu schrill verkleideten Jugendlichen aus dem angrenzenden Harajuku.

Alles in allem ein schöner Abschluss. Jetzt ist erstmal Erholung angesagt, da ich neun Tage lang fast zehn Stunden jeden Tag auf Achse war.

Yokohama

Heute wurde ich also von Hana in Yokohama herumgeführt. Wir schlenderten durch die Gassen und schauten auch in Chinatown vorbei, das hier in Japan chinesischer ist als in China selbst. Immer wieder futterten wir an verschiedenen Ständen japanische Spezialitäten. Auch begegneten uns viele kleine Kinder, die als Bienen, Marienkäfer oder Hexen verkleidet waren. Halloween hat auch hier Einzug gehalten. Mittags ging es dann in ein kleines Restaurant das, wie alles andere hier auch, ausgezeichnet war .

Nachmittags schauten wir noch am Hafen sowie am Geschäftsviertel vorbei. Yokohama ist die zweitgrösste Stadt Japans und geht ohne eigentliche Abgrenzung direkt in Tokio über. Am Abend gab es dann noch ein Abschiedsessen (es gab Fliessband-Sushi), denn morgen fliegt Hana wieder zurück nach Singapur und ich werde die zwei verbleibenden Tage noch Tokyo abgrasen.

Nikko & Kamakura

Die lezten zwei Tage habe ich in Nikko verbracht – einem kleinen Dorf in den japanischen Bergen, etwa zwei Zugstunden nördlich von Tokio. Die bewaldeten Hügel in der Umgebung und die einsetzende Blätterfärbung machten dies zu einer sehr erholsamen Zeit. Da ich nach drei Tagen Tempelsightseeing am Stück etwas Tempelmüde war, bin ich am ersten Tag in die Berge gefahren und dort ein wenig herumgewandert. Dort gab es einen Wasserfall zu sehen, der knapp 100m in die Tiefe rauschte und einen grossen Bergsee, von goldenen Laubbäumen eingerahmt. Ich konnte mich an den schönen Herbstfarben gar nicht genug sattsehen. Den zweiten Tag habe ich dann doch wieder mit Tempel anschauen verbracht, gehören diejenigen in Nikko doch zum Weltkulturerbe.

Heute morgen ging es dann um halb sieben mit dem Zug nach Kamakura, einer kleinen Stadt etwas südich von Tokio. Dort warteten dann Hana, die ich in Singapur kennen gelernt hatte, auf mich. Sie Zeigte mir ein wenig die Stadt und morgen schauen wir uns Yokohama an.

Hier noch ein paar Bildchen von heute:

  

Bild 1: Ich unterhalte mich beim Mittagessen mit einem Japaner auf französisch, da er dachte ich sei Franzose (die in Scharen überall in Japan anzutreffen sind).
Bild 2: Die grosse Daibutsu-Buddha-Statue.
Bild 3: Mit Hana vor dem Abendessen. Es gab leckeren japanischen Nudelsalat.

Kyoto – Tage 2 und 3

Gestern hat es den halben Tag geregnet wie Sau. Vielleicht war das ein Vorteil und die Orte die ich besucht habe waren nicht so ueberlaufen wie sonst.

Als erstes ging es zu einem mehreren Kilometer langen Pfad im Wald. Das besondere daran ist, dass der Pfad eigentlich aus einer Aneinanderreihung von roten Holztoren besteht. Manchmal war der Abstand ein halber Meter, manchmal nur wenige Zentimeter und so war der Wald an sich nicht mehr zu sehen.

Anschliessend bin ich noch mit dem Bus in der Innenstadt herumgegurkst und nach einigem herumgegurkse bin ich dann zu einer Tempelanlage im Osten gefahren. Da es schon daemmerte waere ich beinahe wieder zurueckgefahren, allerdings hatte der Tempel heute ausnahmsweise Nachts geoeffnet. Das war dann noch ein echtes Highlight durch angestrahlte Bambuswaelder und japanische Haeuschen zu laufen. Hunderte Japaner Taten es mir gleich und alle machten mit ihren Handys hervorragende Nachtaufnahmen von der Szenerie…

Zum Abendessen schwebte mir Kobe-Rind vor, da die Stadt Kobe nur ca. eine halbe Stunde entfernt ist und das Fleisch in Deutschland um einiges teurer ist (entgegen des Artikels auf Wikipedia).
Trotzdem kosten 100g des zartesten Fleischs der Welt noch um die 15 Euro. Jedenfalls bin ich in ein spezielles Fleisch-Restaurant gegangen (als einziger Westler) und habe mit Haenden und Fuessen erklaert, was ich gerne haette. Dass mir alle Gaeste dann beim Essen zugeschaut haben war mir fast klar. Und ich gab ihnen auch die Gelegenheit sich zu amuesieren, denn ich hatte das Fleisch dass man haette Roh essen sollen leicht angebraten…
Geschmeck hat es trotzdem hervorragend! Weiss gar nicht wie ich das beschreiben soll. Man haette zwar die Servierte Portion in einem Haps herunterbekommen, aber ich wollte ja geniessen. So hab ich mir dann im Supermarkt noch was kaufen muessen um nicht zu verhungern.

Heute war dann von frueh bis spaet Vollgas-Sightseeing angesagt. Mit dem Bus in alle Ecken der Stadt und mittlerweile habe ich so ziemlich alles besichtigt, was im Ansatz bedeutend ist.

In Japan hat uebrigens fast jeder ueber 80 eine digitale Spiegelreflex und ein Handy. Manche Autos sind zum Fernsehempfang ausgeruestet und der Busfahrer bedankt sich bei den Fahrgaesten fuers mitfahren. Aber die Liste der Verruecktheiten hier ist zu lang um sie alle aufzufuehren.

Morgen geht es dann in aller Frueh wieder nach Tokio und von dort aus nach Nikko einer Perle der Natur. Ein japanisches Sprichword besagt: „Sage nie praechtig, bevor du nicht Nikko gesehen hast.“

Dann bin ich ja mal gespannt!

Kyoto Tag 1

Zu meiner Nacht im Kapselhotel: Ich habe hervorragend geschlafen. Ich musste zwar leicht schraeg liegen, da ich dann doch angestossen bin, aber es war sehr komfortabel. Ausschlafen konnte ich leider nicht, ich bin um 5 Uhr aufgestanden und dann Richtung Bahnhof gelaufen. Zahlreiche betrunkene Geschaeftsmaenner und -frauen liefen mir ueber den Weg. Vom Bahnhof nahm ich dann den Shinkansen nach Kyoto. 300km/h Reisegeschwindigkeit und Neigetechnik zu erfahren war schon sehr interessant.

In Kyoto bin ich dann gleich nach der Ankunft bis zum Sonnenuntergang auf einer Tempelanlage die Stadt abgelatscht und habe viele Tempel und Gaerten besichtigt. Das Essen hier ist sehr lecker, aber ich kann leider nicht nach Karte bestellen sondern bekomme oft was mehr oder weniger zufaelliges vorgesetzt.

Mein Quartier fuer die naechsten drei Tage ist das Gojo Guest House – eine Jugendherberge im japanischen Stil. Hier schlaeft man noch auf Reismatten am Boden in einem Raum mit Schiebetueren und -fenstern aus Holz und Seidenpapier. Mein Zimmer teilte ich mit einem Italiener, einem Israeli und einem in Hong-Kong geborenen Kanadier namens Guy. Er sah aus wie Anfang 30, war aber schon 46, war aber auch jugendlich angezogen. Mit ihm bin ich dann noch ein wenig um die Haeuser gezogen bis wir eine schnucklige Bar namens „Jam House“ gefunden hatten.

Sie war auf ca. 15 Leute ausgelegt und hatte ein wunderschoenes Ambiente. Ueberhall hingen Gitarren und alte Schallplatten an den Waenden. Es lief Hardrock aus den 70ern und ein schwarz angezogener, langhaariger, grosser Kerl fragte uns beim Betreten ob er denn die Musik wechseln soll. NIEMALS koennte man sich diese Szene in Deutschland vorstellen. Die Japaner sind einfach ein respektvolles und hoefliches Volk. Bier kostet hier fast 5 Euro pro Halbe. Insgesamt ist das Leben hier sehr viel teurer als in Deutschland.

Spaeter betrat dann auch noch ein 50-60 Jahre alter Japaner die Bar und lauschte der Musik. Nach dem Bezahlen noch fuenf mal verbeugt und zehn mal bedankt und schon konnten wir den Heimweg antreten.

Im Tokio Hotel

Heute bin ich also von Schanghai nach Tokio geflogen. Der Japan-Urlaub hat begonnen.

Geflogen bin ich mit Northwest Airlines – einer amerikanischen Gesellschaft, die im Anschluss gleich von Tokio nach Detroit weitergeflogen ist. Vernutlich wegen dem Weiterflug nach Amerika liefen dann die Sicherheitskontrollen ein wenig anders ab. Zuerst wurde ich von einem Chinesen auf die Seite genommen und ausgefragt. Wo ich wohne, wo ich arbeite, was ich da mache, ob ich beweisen kann dass ich dort arbeite? Aber das war noch nicht alles: Was machen sie in Japan, wie lange sind sie dort, treffen sie jemanden dort, welche Orte besuchen sie dort? Nach ein paar Minuten Kreuzverhör durfte ich dann endlich weiter. Aber das war noch nicht alles. Vor dem Betreten des Flugzeuges wurde nocheinmal das Gepäck von  jedem Passagier geöffnet und durchsucht.

Bei der Einreise in Japan war es nicht anders. Ich musste die Fingerabdrücke meiner Zeigefinger abgeben und ein Bild wurde auch noch geschossen. Ich habe noch nie gehört, dass Japan Ziel terroristischer Anschläge werden soll, warum also dieser Zirkus?

Jedenfalls bin ich dann mit dem Expresszug in die Innenstadt von Tokio gefahren. Dort bin ich erst einmal herumgegammelt und habe mir einen kleinen Eindruck gemacht. Neben den großen Straßen, die gar nicht mal so verstopft sind, wie man meint gibt es auch noch total viele kleine Gässchen. In diesen befinden sich dann kleine Lädelchen und Restaurants, die auf eine Kundschaft von maximal 5 Leuten ausgelegt sind. In so eines bin ich dann auch gegangen und wollte Udon-Nudeln bestellen (weil ich die kenne und die sehr lecker sind). Da aber der Nudelmeister kein Englisch konnte, brauchte es erst fünf Minuten bis ich verstanden hatte, dass er nur Ramen-Nudeln hat. Damit war ich dann Einverstanden („Hai!“) und für 4 Euro bekam ich dann ein wahnsinnig leckeres Essen.

Die Innenstadt selber ist sehr sauber und auch passend begrünt. Der Geist, den die Stadt versprüht gefällt mir sehr. Sie ist weder laut und stinkig, noch hatte ich den Eindruck dass sie überfüllt ist. Leider konnte ich heute nicht mehr so viel anschauen, da es geregnet hat. Momentan bin ich in einem Kapselhotel eingecheckt. Hier schlafen die Gäste in kleinen Boxen (ca. 2m x 1m x 1m) die aufeinander gestapelt sind. Ich schaue natürlich, dass ich noch ein Foto machen kann.

Morgen früh um 6Uhr geht die Reise weiter – mit dem 300km/h schnellen Shinkansen-Zug nach Kyoto. Dort werde ich erst einmal ein paar Stunden über CO2-Ausstoß und globale Erwärmung meditieren.
P.S.: Das mit dem Visum klappt leider nicht, da ich ein in Japan registrierter Ausländer sein muss, um es beantragen zu können.

Visaspaß Teil 2

Mein altes Visum lief ja am 7. Oktober aus. Kein Grund zur Beunruhigung, denn man kann ja mein Visum zwei mal Verlängern, mit einer Erfolgsquote von 90%. So hab ich also brav meinen Pass eine Woche vor Ablaufdatum abgegeben um die Verlängerung einzuleiten. Und heute ist er zurückgekommen. Mit zwei Visa.

Was ist also passiert? Die chinesischen Behörden verlängerten mein Visum zunächst nur um einen Monat ohne Wiedereinreisemöglichkeit. Da am 16. Oktober die Visabestimmungen wieder auf den vorolympischen Status zurückgesetzt wurden, ließ man also das Visum annulieren und beantragte schnell ein Neues. Ich bekam nun ein Dreimonatsvisum bis zum 15. Januar, einfache Einreise. Da dies aber aufgrund der Annulierung die zweite Verlängerung ist, kann dieses also nicht mehr verlängert werden. Blöd, da ich eigentlich bis Mitte oder Ende Februar bleiben sollte.

Wie gut, dass ich am 24. Oktober nach Japan fliege, denn nun kann ich meinen Pass bei den Kollegen in Tokio hinterlegen, die sich dann bei der dortigen Botschaft um ein Visum für mich bemühen werden.

Hohoho, schauen wir mal auf was das noch hinausläuft. In meinem Pass ist vor lauter chinesischen Visa langsam kein Platz mehr…

Betrachtungen zur Klobalität

Das Klo. Nie kämen wir auf die Idee, uns mal etwas intensiver damit auseinanderzusetzen. Dabei gibt es doch so viel Interessantes:

Wir in Deutschland wissen gar nicht, dass wir das Klo in der Funktionalität perfektioniert haben. Ob Flach- oder Tiefspülklo, das verdaute Essen wird schnellstmöglich und wassersparend wie ein Torpedo in die Kanalisation gejagt. Doch das ist nicht überall so.

Im unterentwickelten England und Nordamerika ist die Schüssel des Tiefspülklos über die Hälfte mit Wasser gefüllt. Man muss aufpassen dass man sich nicht ins Wasser setzt, und dass man sein Klopapier vor dem Abwischen nicht in die Schüssel tunkt. Beim Spülvorgang wird nicht mit frischem Wasser hinterhergespült, sondern der Inhalt der Schüssel läuft einfach aus, was zwangsläufig mit Rückstandsbildung verbunden ist.  Anschließend wird die fast leere Schüssel wieder aufgefüllt und man muss eine volle zweite Spülung anschließen, da es keine Möglichkeit gibt den Spülvorgang zu unterbrechen.

Vom „Loch im Boden“ der südasiatischen Länder bei dem (wenn überhaupt) nur mit einem Wasserschlauch oder einer Schöpfkelle gespült wird, habe ich bereits berichtet.

Doch wie machen es die Chinesen? Die Chinesen verwenden eine weiterentwickelte Form des angloamerikanischen Tiefspülklos. Der Grundwasserspiegel ist relativ niedrig gehalten, aber dennoch höher als beim deutschen Standardklo. Nun aber zum Spülvorgang. Hier verhält es sich genau umgekehrt zu den Engländern. Es wird zuerst die Schüssel bis fast obenhin mit Wasser aufgefüllt – nein- geflutet trifft es wohl besser. Dabei bildet sich ein riesiger Strudel in dem nocheinmal alles aufgeschlämmt wird. Es macht schon fast Spaß zuzusehen, wie anschließend der Todesstrudel die hilflosen Ausscheidungen in wilden Kreisbahnen in den Abfluss reißt, wobei es auch hier stets einige Überlebende gibt. Auch hier mindestens ein zweites mal voll nachgespült werden (mein Rekord: 5).

Mit japanischen Klos habe ich bis jetzt noch keine praktischen Erfahrungen gemacht, doch hab ich auch hier einige Infos. In Japan ist das Klo ein einziges Hi-Tech-Gerät, das mehr mit Elektronik vollgestopft ist als unser Fernseher. Sitzbrillen werden auf Köpertemperatur geheizt und reinigen sich nach dem Benutzen von selbst. Ein weiteres Highlight ist der in der Schüssel integrierte Gesäßreinigungswasserstrahl.  Bei diesem kann Druck, Position und die Temperatur stufenlos geregelt werden. Auf Wunsch kann sogar Seife in den Strahl gemischt werden. Anschließend fönt ein Turbogebläse den dampfgestrahlten Hintern trocken. Der Deckel lässt sich bequem per Fernsteuerung öffnen und seit kurzem gibt es auch Klos mit integriertem Blutzucker und Körperfettmessgerät. Ein Klo mit Sprachsteuerung ist bereits in Entwicklung. Ich hoffe ich schaffe es so ein Ding zu bedienen, ich male mir schon die schlimmsten Szenarios aus. Nicht auszudenken wenn ich das Klo bewundere und aus Versehen den Wasserstrahl anschalte…

Unterschiede gibt es übrigens nicht nur beim Klo an sich, sondern auch beim Papier und der Umgebung. Während es bei uns üblich ist, die Blätter feinsäuberlich zu falten dass auch ja kein Millimeter übersteht, nimmt man in Japan und China einfach einen Buschel hauchdünnes Papier in die Hand. Nicht selten landet dies dann im Mülleimer neben dem Klo anstatt in der Schüssel. Den entstandenen Geruch versucht man dann durch literweises Versprühen von Raumerfrischer zu überdecken.

Japanischen Frauen ist der Klogang übrigens besonders peinlich. Da diese ständig die Spülung zogen um eventuell aufkommende Geräusche zu übertönen, wurde dort in jedem öffentlichen Klo ein Gerät installiert das auf Knopfdruck lautes Geplätscher und Vogelgesang abspielt. Die Wasserersparnis beträgt im Schnitt 20 (in Worten: ZWANZIG) Liter pro Sitzung.

Ich hoffe dass ihr euch diese Informationen ins Gedächtnis ruft, wenn ihr es euch auf einer deutschen Schüssel bequem macht. Denn hier hat die Klobalisierung glücklicherweise noch keinen Einzug gehalten.

Für 1,3 Milliarden Chinesen gibt es leider nur ca. 700 Nachnamen. Noch schlimmer: 85% der Bevölkerung können mit den hundert häufigsten Familiennamen abgedeckt werden.
Sieben Prozent aller Chinesen  heißen Wang (Kaiser/König). Weitere sieben heißen Li (dreiblütige Pflaume).
Zum Vergleich: Müller – den häufigsten Deutschen Nachnamen tragen nur 0,4 Prozent.
Ein Horror also, wer in Shanghai im Telefonbuch jemand namens Wang suchen muss: über eine Millionen Einträge.

Chinesische Vornamen werden nach Lust und Laune ausgesucht, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. So können mollige Babys schon mal „kleiner Dicker“ getauft werden. Beliebt sind auch Namen wie „Reichtum“, „Langes Leben“ oder Modenamen wie „Olympische Spiele“.

Neben dem Chinesischen Vornamen ist es auch modisch, sich einen englischen Vornamen zu geben. Das tolle daran: dieser kann nach belieben geändert werden. Gefällt einem der alte nicht mehr, sucht man sich halt einen neuen. Leider ist den Chinesen eine ethische Namensgebung unbekannt. So bleibt es leider nicht bei Michael, John, Chris und Dave.
„Windows, Rocky, Forest, Ice, Angel, Apple“ um nur einige der Ausgeburten zu nennen.

Wir staunten nicht schlecht, als sich uns kürzlich ein Peter vorstellte. Nachname: Pan.
Mein Kollege nur „Gestatten, Käpt’n Hook!“

Bilder Update

Wie versprochen hier noch ein paar Bilder:

Typischer Suzhou-Dunst:
 

tesa-Team-Tag:

 

Essen beim Team-Tag: Gänsezunge, Aal, Fisch, gehacktes ganzes Huhn;

Noch mehr Kulinarisches

  • Neulich fand ich zwei eingeschweißte braune Eier auf meinem Schreibtisch. Jeder hatte solche Eier auf seinem Tisch. Als ich fragte, was es denn damit auf sich hat wurde mir erklärt, dass wenn jemand ein Kind bekommen hat, er der kompletten Firma Tee-Eier mitbringen muss. War es ein Junge, gibt es drei – bei einem Mädchen nur zwei Eier. Laut meinen deutschen Kollegen ungenießbar. Ich probiers gar nicht erst.
  • Meine Kollegin schenkte mir noch ein paar Süßigkeiten: Rindfleischbonbons
  • Gestern war ich noch zum Grillen mit der Fußballmannschaft eingeladen. Es wurden Tintenfische gegrillt, normale Fische, etwas normales Fleisch und als Höhepunkt gab es Hühnerherzen. Drei knoblauchzehengroße Herzen pro Spieß. Duzende Spieße. Schmeckte sehr knorpelig und weiß gar nicht was daran so lecker sein soll. Ich vermute, dass den chinesischen Hühnern nur die Füße abgeschnitten und die Innereien rausgerissen werden. Brust oder Keule scheinen die Chinesen nicht zu interessieren.
  • Ein Kollege kam heute mit einem Päckchen Trinkmilch an den Tisch. Natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen darüber ein paar Scherze zu machen. Ein paar Minuten Später schickter der Werksleiter eine Rundmail mit einer Liste verseuchter chinesischer Milchprodukte im Anhang. Seine Trinkmilch war auch darunter. Haha.
  • Auf der Homepage der Zeit habe ich einen Artikel über Lebensmittelpantscherei in China gelesen. Ich muss inzwischen jeden Bissen hinunterwürgen.
  • Spontan fällt mir noch ein, dass das Gemüse hier gleich neben der achtspurigen Autobahn angebaut wird. Auch rund um den Flughafen Shanghai sind Gemüsefelder.

Am Samstag hatte ich das Glück, beim tesa-Team-Tag dabei zu sein.

Als Erstes fuhren wir eine Stunde mit dem Schlaglochsuchgerät  Bus durch die Stadt bis wir zu einem putzigen Inselchen am See kamen. Dort sprangen wir dann erstmal eine ganze Weile herum. Erklommen chinesische Pavillions auf steilen Felsen, besichtigten Höhlen, Gärten und einen kleinen Tempel. War ganz nett, aber nichts spektakuläres.

Dann ging es weiter zu einem Yachtclub, wo es erstmal reichlich Essen gab. Aufgetischt wurde diverses Gemüse, Fisch, etwas Fleisch und natürlich noch mehr Gemüse. Manches war sogar genießbar. Nicht fehlen dürfen bei solch kulinarischem Genuss: geraspeltes Rindfleisch, Quallensuppe, Aal und Gänsezunge. Die Quallensuppe war nicht leicht runter zu kriegen, bei der Vorstellung, dass man gerade ein Stück schwabblige Qualle zerkaut. Der Aal ging noch, wobe das Ganze mehr nach gekochter Blindschleiche aussah. Beißt man in eine Entenzunge, kommt man zuerst durch die rauhe, tintenfischähnliche Zungenoberfläche bis auf eine Art harten Zungenknorpel, der den Genuss aber trübt und daher sollte nur die rauhe Zunge vom Knorpel abgeknabbert werden. Sie schmeckte war nach nichts, aber die Chinesen fahren voll drauf ab und es gehört für sie (ähnlich wie die Hühnerfüße) zu einem guten Essen einfach dazu. Nachdem wir uns also den Bauch mit allerlei ‘Köstlichkeiten’ vollgeschlagen hatten, ging es weiter zum Drachenboot-Rennen.

Dabei traten jeweils drei Boote bei einem Rennen über ca. 500m an. Insgesamt waren 18 Boote am Start. Pro Boot fünf Ruderer, ein Steuermann und ein Trommler. Unser Boot hatte den Vorteil gleich zwei Deutsche an Bord zu haben. Wir nahmen sogleich die Kapitänsrolle ein und übten mit unserem Team das Rudern im Takt. Das machte sich bezahlt. Wir waren beim Rennen das Einzige Boot das nicht im Kreis oder Quer zur Strecke fuhr sondern schnurgerade und schnell wie eine Sklavengaleere unter Beschuss. Wir haben selbstverständlich gewonnen. 

Nun war es an der Zeit sich auszuruhn. Da der Yachtclub auch einen Pool hatte schien dies der Ideale Ort hierfür zu sein. Nur dass der Bademeister sich mit meiner Badeshorts nicht anfreunden konnte und mir den Eintritt verweigerte. Da der Hoseninspekteur sich auch nicht von seinem Standpunkt abbringen ließ, mussten wir halt in den Whirlpool ausweichen (der direkt am Seeufer lag) und genossen dort den Sonnenuntergang.

Nach gut einer Stunde war es dann Zeit für das Büffet und die Siegerehrung. Dort gab es zumindest halbwegs passables Essen: ordendliches Fleisch, Salat und Spaghetti.

Mein Tischnachbar fragte mich später:

„Alex, wenn wir an Deutschland denken, dann denken wir an gute Qualität, Bier und BMW, was denken denn die Deutschen über China?“

„Hm, Sklaverei, Produktfälscherei und Kommunismus?“ wäre es mir fast spontan herausgeschossen. Ich erklärte ihm dann freundlich, dass China viel Reis und gute Nudeln hat und dass alle unsere Konsumgüter in China produziert werden (unter welchen Bedingungen ließ ich mal außen vor). Mit dieser Antwort gab er sich dann zufrieden. 

Schließlich kam es zur Siegerehrung und es wurde uns dann noch ein Blumenkranz aufgesetzt und wir bekamen einen 50 Euro Einkaufsgutschein, was hier ca. zwei Monatsgeälter einer Putzfrau sind. Ob ich diesen im Supermarkt für eine Hühnerfußflatrate einlöse, weiß ich noch nicht.

 

Leider hatte ich noch nicht die Möglichkeit alle Bilder hochzuladen, aber ich werde dies morgen hier machen.

     

Frägt man einen Europäer zu seiner Meinung über chinesisches Essen, gibt es fast nur eine Antwort: „Mmmh, lecker!“. Man denkt an knusprige Frühlingsrollen, frittiertes Gemüse im Teigmantel oder das letzte Asia-Süß-Sauer-Fertiggericht vom Aldi. Aber die Realität sieht anders aus. Das frittierte Gemüse heißt Tempura kommt aus Japan und findet sich wie auch viele andere japanische Gerichte auf den Speisekarten pseudochinesischer Restaurants. Bami Goreng – gebratene Nudeln – stammen aus Indonesien und bei Frühlingsrollen ist im Vergleich zu China nur der Name identisch, da in Europa die essbare süd-ost-asiatische Variante aufgetischt wird. Woran liegt es also, dass in Europa kein authentisches chinesisches Essen zu finden ist? Ganz einfach: Weil es uns nicht schmeckt!

Wer will schon in Wasser lapprig gekochtes Gemüse das mit einem großen Flatsch in die Reisschüssel geklatscht wird. Serviert, ausschließlich mit einem Schuss Sojasauce, dem ultimativen Gewürz in China. Gurken und Karotten werden in Scheiben geschnitten und gleich so als Salat aufgetischt. Als Dressing gibt es natürlich Sojasauce. Eine weitere Abart ist, dass z.B. Gurken und Kopfsalat in Wasser gekocht werden. Serviert mit Sojasauce. Tofu, Fisch und Eier werden in Schwarz-/Fencheltee gekocht und glitschig wie sie sind ohne alles gegessen. Besonders Tee-Eier sind eine gute Möglichkeit um sich mit richtigem chinesischem Essen vertraut zu machen. Hühnerfüße gibt es immer und überall zu essen, der Bedarf ist riesig. Ich stelle mir die Frage was mit dem Restlichen Huhn gemacht wird, da es zwar kiloweise Füße, aber nirgends Brüste oder Beine gibt. Kleiner Hinweis an alle Genetiker: Schafft es einen Tausendfüßler und ein Huhn zu kreuzen und ihr habt ausgesorgt!

Um nicht nur zu schimpfen muss noch Folgendes gesagt werden:
Ja, es gibt auch gutes würziges Essen. Aber überwiegend in multikulturellen Zonen (Singapur, Hong-Kong, Macau) sowie allgemein im Süden und natürlich in besseren Restaurants. Aber die chinesische Alltagsküche bevorzugt immer noch Reis und Nudeln mit glitschigem gekochten Gemüse (Sellerie, Spinat, etc.) und Sojasauce. Es lebe die Bratkartoffel!

  

Die erste Woche

China ist schon nochmal eine Stufe krasser als Singapur. Ich gebe euch mal ein paar Eindrücke vom Alltagsleben der vergangen Woche:
Zweimal war ich bis jetzt im französischen Großmarkt Auchant einkaufen. Ich traf dort auf schätzungsweise Zehntausend Chinesen, die dasselbe tun wollten wie ich. Manchmal war es schier unmöglich auch nur einen Schritt nach vorn zu machen und man musste also ein paar Minuten warten bis wieder ein Weg frei wurde. Eine Stunde einkaufen dort war anstrengender als ein voller Arbeitstag. Lebensmittelmäßig sieht es dort auch anders aus. Kartoffeln sind selten und teuer, aber es gibt getrocknetes Fleisch und Hühnerfüße an jeder Ecke. Kein Wunder, dass jemand in der Fleischabteilung neben die Theke kotzen musste. Hühnerfüße gibt es übrigens mindestens jeden zweiten Tag in der Kantine als Wahlbeilage. Mmmh.
Westliche Marken sind hier im Vergleich sehr teuer aber man muss auch erwähnen, dass z.B. der chinesische Honig nach allem schmeckt, aber nicht im Ansatz nach echtem deutschen Bienenhonig.

In meiner Wohnanlage sind Nachmittags die Wege voll mit Frauen mit ihrem Kind. Scheinen sich dort zum täglichen Tratsch zu treffen. Am Hochhaus nebenan flattert ein riesiges Banner, dass sich über 14 Stockwerke erstreckt: „Schützt eure Heimat mit eurem Leben!“ steht da. Am Außengeländer von meinem kleinen Balkon flattert meine Bayernflagge im Wind. Ungefähr zwei Minuten entfernt gibt es eine „Videothek“ bei der ich mir aktuelle Kinofilme auf DVD für 50 Cent kaufen kann.
Am Samstag bin ich dann schon mal mit dem Rad die Stadt erkunden gegangen. Fährt man aus dem Industriepark heraus, werden die Gebäude schon viel älter und auch alles viel dreckiger. Man hat schon eher das Gefühl in China zu sein. Ich bin dann auf einer durch einen Grünstreifen abgegrenzten Zweiradspur ins Zentrum gefahren. Dort musste ich mein Rad auf einem Fahrradparkplatz abstellen was mich ganze 5 Cent gekostet hat. An den Eingängen der Läden standen junge Leute, die durch Klatschen und Schreien auf die supergünstigen Angebote hinwiesen. Echt nervig. Da ich Hunger hatte bin ich dann gleich in ein Chinesisches Fast Food Restaurant namens „Kung Fu“ gegangen.
Es gab Hühnerknochensuppe,  Salat (Die Chinesen essen Kopfsalat ausschließlich gekocht) und irgendein Fleischzeug mit Reis. War eigentlich sehr lecker. Nur dass man mich ständig komisch angeschaut hat. Scheint sich wohl selten ein Westler hierher zu verirren.

Am Samstag Abend bin ich dann mit meinem Mitbewohner an den See gegangen. Dort findet eigentlich allwöchentlich ein Feuerwerk statt. Wir verpassten es aber, da wir zu früh wieder gegangen waren.
Dafür wurde gestern zum Mittherbstferst kräftig geballert. Es war ein arbeitsfreier Feiertag an dem sich die Chinesen gegenseitig Mondkuchen schenken. Diese sind hübsch verpackt und z.B. mit einer Eidotter-Kastanienfüllung gefüllt. Schmeckt und riecht wie Klostein.

Ein Wort noch zur Arbeit: Sie macht wahnsinnig Spaß auch wenn es manchmal zu Kommunikationsproblemen kommt. Kürzlich versuchte ich einem chinesischen Kollegen zu erklären, dass ich ein kleines Loch in einem Stück Plexiglas brauche. Der grübelte erst vor sich hin, hatte dann wohl einen Geistesblitz und brachte mir kurz darauf und breit grinsend eine Säge. Chinesen meinen übrigens, sie könnten 95% aller technischen Probleme mit Zange und Säge lösen.
Man erzählte mir auch, dass man mich hier aufgrund meines Bartes und meiner Haarfarbe für einen Italiener hält. Na Bravo.

Die Ankuft

Nach dem Erhalt meines Visums konnte ich ja beruhigt am Samstag in den Flieger steigen. Nach zehn Stunden Flug, zwei Filmen und einer Mütze Schlaf bin ich dann in der Dunstglocke von Schanghai gelandet. Da Olympia auch schon gelaufen war, ging es bei der Einreise viel ruhiger zu als vor über einem Monat. Dem Laserblick der Immigrationsbeamtin hielten ich und mein Visum stand und radioaktiv war ich laut Detektor auch nicht, obwohl ich 23 Tage vor Tschernobyl geboren wurde. So konnte ich also unbehelligt einreisen.

Hunderte Chinesen säumten mit Firmenschildchen in der Hand links und rechts den Ausgang und lauerten ihrem Fahrgast auf. Um jedes einzelne zu lesen, musste man auf Kriechgeschwindigkeit herunterbremsen währenddessen der Kopf zweimal pro Sekunde die Richtung wechselte und so fast ein Schleudertrauma verursachte. Nach ca. 10m und leichtem Kopfweh fand ich dann auch schon meinen Chauffeur Herr Fei. Der nahm mir gleich die Koffer ab und brachte mich zum Wagen. Leider war Herr Fei des Englischen überhaupt nicht mächtig, so dass ich mich die zwei Stunden Fahrt nach Suzhou in ein Büchlein vertiefen musste.

Wir fuhren zuerst durch die endlosen Weiten der 15-Millionen-Einwohner-Stadt Shanghai. Soweit die Dustglocke es erlaubte, sah man bis zum Horizont in jeder Himmelsrichtung nur Gebäude – und Baukräne die auf dem Platz von planierten Gebäuden noch höhere bauten. Größere Grünflächen oder gar ein Wäldchen oder zumindest eine Zusammenrottung von mehreren Bäumen, gab es nicht. Herr Fei legte zur Unterhaltung noch eine CD mit Fahrstuhlmusik ein um mir die Reise durch die schöne Landschaft noch zu versüßen.

Nach mehreren Beinahekollisionen und Vollbremsungen kamen wir in Suzhou an. Die Wahrscheinlichkeit, dass es bei einem Unfall zu einer zünftigen Schlägerei zwischen den Beteiligten kommt, ist in China übrigens recht hoch. Man lebt gefährlich. Das gilt insbesondere für die Arbeiter, deren sinnvoller Job darin besteht, bei vollem Betrieb die Leitplanke auf der Überholspur zu streichen. Seelenruhig sitzen sie vor der Leitplanke, machen auf ihren Arbeitsplatz mit einem Verkehrshütchen in 1m Entfernung aufmerksam, während der komplette Verkehr knapp hinter ihrem Rücken vorbeischießt. Auch Fahrradfahrer und Fußgänger sowohl mit als auch entgegen der Fahrrichtung sind auf der Autobahn keine Seltenheit.

Herr Fei fuhr mich zu meiner Wohnung, übergab mir die Schlüssel und verabschiedete sich brav. Ich wohne zusammen mit meinem Kollegen Philipp in einer schnuckligen 6-Zimmer-Wohnung mit zwei Bädern, Arbeits- und riesigem Wohn-Ess-Zimmer. Man kann nicht klagen. Oder doch? Wie hatte ich mich gefreut zum Ausgleich zur harten Arbeit die Hausarbeit zu erledigen, stundenlang zu Bügeln, Waschen, Putzen und Geschirr zu spülen! Hart traf es mich als ich erfuhr, dass dies fünfmal die Woche von einer Angestellten erledigt wird. Was soll ich nun mit all der Zeit anstellen? Ich weiß es nicht!

Auf dem Bild sind übrigens die Präsentkörbe zu sehen die man uns bei tesa überreicht hat (wirklich sehr nett), sowie mein Mitbewohner und Kollege Philipp.

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