Die vergangenen zwei Monate sind wirklich verflogen, was wohl haupsächlich daran lag dass ich an vielen Wochenenden etwas unternommen habe. Nun ja – was hab ich so getrieben:
Mitte Januar war ich für ein Wochenende in Singapur um dort die Hochzeit einer Freundin aus Singapur zu besuchen. Da sie eine hellhäutige Chinesin aus Taiwan ist und er ein dunkelschokoladiger Südinder war diese interkulturelle Hochzeit natürlich besonderes interessant.
Anfang Februar musste durfte ich dann schon wieder nach Singapur um mein abgelaufenes Visum zu erneuern. Da gerade ein Feiertag war (Chinesisches Neujahr) habe ich dann gleich ein verlängertes Wochenende draus gemacht und wieder viele Freunde besucht.
In der darauffolgenden Woche wurde ich dann in eine Schule nach Purwakarta eingeladen. Bei einem ersten Treffen mit dem Konrektor in der Firma stellte er sich meinen Besuch in etwa so vor: Ich komme sechs Tage lang jeden Tag in die Schule, habe pro Tag vier Klassen und halte dann pro Klasse eine halbstündige Präsentation mit anschließender einstündiger Diskussion. Macht insgesamt 24 mal die gleiche Präsentation. Leider musste ich dem guten Herrn erklären dass ich bei einer Firma angestellt bin und nicht nach Lust und Laune Schüler unterrichten kann, auch wenn das sicher gute PR für meine Firma ist. Letztendlich hat mein Chef mir einen Vormittag dafür freigegeben und es wurde mir gesagt, dass ich in zwei Klassen unterrichten soll.
Also wurde ich an besagtem Vormittag abgeholt und in die Schule gebracht. Dass ein Westler unter Indonesiern allgemein viel Aufmerksamkeit erregt habe ich schon erwähnt. So auch in der Schule. Wann immer ich von Schülern auf dem Pausenhof gesehen wurde gab es drei Reaktionen:
- das klassische “Hello Misterrr!” meist mit heftigem Winken verbunden.
- ungläubiges Staunen mit großen Augen und offenem Mund, dass ein Weißer in der indonesischen Provinz auftaucht.
- verstohlenes Kichern der Mädchen und manchmal auch neidische Blicke der Jungs.
Ich wurde dann in das erste Klassenzimmer geführt und die die Klasse dort sang mir ein kleines Ständchen in Englisch. Ich bedankte mich herzlich im lokalen Dialekt und die Klasse brach in Begeisterung aus. Leider musste ich dann schon weiter um meinen Vortrag zu halten und so schüttelte ich noch jedem kurz die Hand was einige Mädchen an die Grenze zur Ohnmacht beförderte.
Der Vortrag in den beiden Klassen lief sehr gut, ich erzählte ihnen ein wenig von Europa im allgemeinen und Deutschland im speziellen. Wir redeten über Klischees, das Essen, berühmte Deutsche und Politik und Bildung. Alles in allem hat es sehr viel Spaß gemacht, war aber auch extrem Anstrengend. Den ursprünglichen Plan des Konrektors hätten meine Stimmbänder wohl nicht überlebt.
Zum Schluss wurde ich noch zu einer Diskussion mit dem Lehrerkollegium eingeladen. Der Konrektor jammerte mir vor, dass in einer Woche eine Delegation einer Schule aus Singapur anreist um den englischen Unterricht der Lehrer zu bewerten allerdings seien die Englischkenntnisse seines Kollegiums mehr schlecht als recht. So flehte er mich fast schon an, ob ich nicht ein paar Tips parat habe wie die Lehrer ihren Unterricht auf Englisch halten können und wie sie binnen einer Woche zu fließendem Englisch gelangen. Nun war ich auch noch ein Bildungsberater. Es spricht nicht für das Bildungssystem in Indonesien wenn ein Außenseiter mit nicht pädagogischem Hintergrund qualifizierter ist als die lokale Lehrerschaft.
Dazu muss man wissen, dass bis vor zehn Jahren keinerlei Qualifikation für den Lehrberuf benötigt wurde. Die Mehrheit der Lehrer ist daher einfach für diesen Beruf ungeeignet. Keine Autorität, leise Stimmen und kaum pädagogische Konzepte. Leider sind die Lehrer dann auch noch sehr schlecht bezahlt und verbessern sich ihr Gehalt dann durch fiktive Abgaben und Kopiergeld über die Schüler.
Ich gab ihnen also eine ganze Stunde lang Tips wie sie ihr eigenes Englisch verbessern können und es auch schaffen, die Schüler mit ihrem Unterricht in den Bann zu ziehen. Allerdings wies ich darauf hin, dass ich für deren Termin auch nicht viel mehr tun könnte, denn Englisch verbessert sich mit der Zeit und nicht über Nacht. In deren Verzweiflung hätte ich ihnen aber so gut wie alles erzählen können, sie hätten es mir wohl geglaubt.
Die Erfahrung war aber eine extrem wertvolle und das Arbeiten mit den indonesischen Schülern und auch das beraten der Lehrer hat mir sehr viel Spaß gemacht.



