Im Januar wurde mir von ein paar Indonesiern das Angebot gemacht, sie Mitte Februar auf einen Drei-Tages-Trip zu begleiten. Da die Ziele der ehrfürchtige Bromo-Vulkan (vor dem das Auswärtige Amt noch immer warnt) und der geheimnisvolle Ijen-Krater waren brauchte ich nicht lange zu überlegen. Der Haken: die Ausführung der Reise war indonesisch. Und das geht so:
Samstag:
Eigentlich sollte unser Flug von Jakarta nach Malang um 12:20 Uhr starten. Leider hatte der Flieger eine halbe Stunde Verspätung und so waren wir froh, als wir im Flieger saßen und Richtung Rollfeld fuhren. Nach 10 Metern stoppte der Flieger allerdings plötzlich und es ging wieder zurück zum Gate. Alle aussteigen, hieß es, technische Probleme. Ich hatte beim Fliegen mit indonesischen bilig-Airlines generell ein schlechtes Gefühl, da diese relativ häufig abstürzen und in Europa Landeverbot haben und dann sowas. Beim rausgehen sahen wir dann eine Hand voll ratlose Techniker am Fahrwerk rumstehen von denen aber keiner zum Problem Stellung nehmen wollte. Nach weiterem Warten ging es dann wieder weiter – im selben Flieger. Die Stewardess versicherte mir, dass nur die Kontrollleuchte für den Rauchmelder im Fahrwerk defekt war und so machten wir uns dann mit zwei Stunden Verpätung halbwegs beruhigt auf den Weg nach Malang.
Dort traf dann im Laufe des Tages der Rest der Truppe ein (insgesamt waren wir zu Siebt) und wir brachten unser Gepäck zum Haus einer Mitreisenden. Wie es sich für Indonesier auf Ausflug gehört wurde auf dem Weg dorthin erstmal die Lokale Fleischknödelsuppe (Bakso) probiert. Meine Mitreisenden waren derart davon begeistert als hätten sie gerade ein Kobe-Steak gegessen. Mich hat es allerdings nicht vom Hocker gerissen, jede Brätknödelsuppe hat mehr Geschmack. Nachdem wir unser Gepäck abgeladen hatten und die Indonesier sich eine Weile dem Tratsch hingaben, ging es schon weiter – zum Abendessen in ein Burger Restaurant. Ich bestellte mir einen Riesenburger – wurde allerdings in meinen Erwartungen enttäuscht. Ich bekam einen riesigen nach Toastbrot schmeckenden Semmel, in dem ein Hauch von einem Fleisch lag (ungefähr halb so groß wie der Semmel und doppelt so dick wie eine Scheibe Salami). Dazu gab es einen Tropfen Ketchup, ein Salatblatt und eine Prise Käse. Da der Anteil des Semmels vom Burger ca. 99 % war, hätte man das Gericht besser “süßer weicher Riesensemmel mit zarter Käse-Salat-Fleisch-Note” genannt. Nach einer weiteren Weile indonesisch-ausgedehntem Tratsch kamen wir schließlich um 0:30 Uhr zurück zum Haus.
Sonntag:
Allerdings war nix mit Schlafen. Abfahrt Richtung Vulkan war auf 1 Uhr nachts angesetzt und ich war recht verwundert, da den Indonesiern Essen und Tratschen offenbar wichtiger waren als gesunder erholsamer Schlaf. So verfrachteten wir unser Gepäck wieder ins Auto wo dann auch schon der Fahrer wartete den die Gruppe angemietet hatte. Sich für solch einen Trip Fahrer nehmen ist für mittelständische Indonesier selbstverständlich, kann man doch dann im Auto schlafen und sich voll und ganz aufs Tratschen konzentrieren. So machten wir uns auf den Weg und ich versuchte ein wenig zu schlafen, was mir aber aufgrund der holprigen Fahrt nicht wirklich gelang.
Um 3:30 Uhr morgens kamen wir dann auf einem Parkplatz am Vulkan an. Es war dunkel, es war windig und es war kalt. Ich hatte mich zwar durch zwei T-Shirts, meinen leichten Mammut-Longsleeve und einen Pulli vorbereitet, allerdings war nichts davon Winddicht. Eine einfache Regenjacke hätte mir vermutlich mehr geholfen. Wir warteten dann bis 4 Uhr auf unseren Jeep und fuhren dann eine schmale dunkle Passstraße den Berg hinauf. Um 4:45 Uhr angekommen, gönnten wir uns erst einmal einen warmen Tee und ich mietete für 80 Cent einen warmen Windschutzmantel von einem klugen Indonesier der sich auf dieses Befürfnis spezialisiert hat.
Von 6:30 h bis 7 Uhr beobachteten wir dann den Sonnenaufgang beim Vulkan. Wobei wir eigentlich auf der Aussichtsplattform des Nachbarbergs waren, der Bromo-Vulkan war aufgrund seiner Aktivität für Touristen derzeit Tabu. Trotzdem war die Aussicht gut und es war auch sehr interessant einem aschespeienden Vulkan bei der Arbeit zuzusehen. Die Asche regnete dann die nächsten Kilometer in Form eines schwarzgrauen Schleiers herunter und auch uns blies der Wind die Aschepartikel frontal ins Gesicht und in die Augen.
Gegen 7.30 Uhr ging es weiter. Wir fuhren 8,5 Stunden Richtung Osten, mit einem kurzen Zwischenstopp mittags zum Essen. Unser nächstes Ziel lag sehr abgelegen in Mitten eines mehreren Quadratkilometer großen Gebiets staatlicher Plantagen (Kaffee, Tee, Gemüse, etc.) und nur wenige Touristen haben die Ortskunde und die Zeit sich in dieses Tal zu wagen. Was aber auch nicht ganz einfach ist, da der Zustand der Straßen teilweise einfach nur erbärmlich ist. Der kleine geteerte Weg war auf mehreren Kilometern teilweiseweggerissen, wir mussten in Schrittgeschwindigkeit über grobsteinigen Untergrund fahren und wurden so eine Stunde lang ordendlich durchgeschüttelt.
Unsere Unterkunft entsprach einem Minus-3-Sterne Hotel war dafür billig und das einzig vorhandene. Am Abend hatte ich doch tatsächlich Zeit ein wenig im mit heißen Vulkanwasser gespeisten Pool zu plantschen bevor ich mich sehr früh ins Bett machte, fehlte mir doch einiges an Schlaf.
Montag:
Pünktlich um 4:30 Uhr ging es wieder aus den Federn um schließlich um 6:15 Uhr am Fuß des Ijen-Kraters zu stehen. Der Ijen ist für seinen Schwefelabbau berühmt der im inneren des Kraters stattfindet. Dazu werden die heißen Schwefeldämpfe über Rohrleitungen geführt, in dessen Inneren dann der Schwefel kondensiert und als dunkelrote Flüssigkeit auf den Boden tropft. Wenn die Schwefelpfütze zu einem knallgelben Klumpen erstarrt ist werden diese zerkleinert und in Bambuskörbe gefüllt. Jeder Arbeiter trägt dann 70-100 Kg Schwefel zuerst mühsam den steilen Krater hinauf, und anschließend geht es dann drei Kilometer ins Tal, wo der Schwefel gewogen, in Säcke gefüllt und verladen wird. Die Arbeiter verdienen pro Monat ca. 200-300 € was in etwa dem Einstiegsgehalt für einen indonesischen Ingenieur entspricht. Aufgrund der schweren körperlichen Arbeit schaffen die meisten Arbeiter maximal zwei Fuhren pro Tag. Dazu kommen noch die beißenden Schwefeldämpfe im Krater, die zu einem Brennen in der Lunge, Atemnot und einem starken Hustenreiz führen.
Nach der Erkenntnis wir gut wir es haben, brachen wir um 14 Uhr wieder auf und kamen um 21 Uhr wieder in Malang an. Sieben Stunden Fahrt quer durch Ost-Java. Selbstverständlich ging es gleich in das nächste Restaurant zum Abendessen. Das Restaurant war recht berühmt für ein Getränk namens STMJ, was die Anfangsbuchstaben für Milch, Ei, Honig und Ingwer auf Indonesisch sind. Genau das warden dort nämlich drin und ich muss sagen es schmeckt eigentlich gar nicht schlecht. Um 23 Uhr waren wir wieder daheim und ich habe mich schon auf eine Portion Schlaf gefreut.
Dienstag:
Von wegen. Um 3.30 Uhr ging es schon wieder raus, denn die (muslimischen) Indonesier wollten unbedingt zur Morgengebetszeit (ca. 4.30 Uhr) eine besonders prächtige Moschee besuchen. Nun ja, ich hatte ja keine Wahl. Die Moschee hat sich allerdings als muslimische Privatschule mit großem Gebetsraum herausgestellt. Der Architekt hätte Friedensreich Hundertwasser sein können, denn das 13-Stöckige Gebäude sah wie ein Sultanspalast aus dem Märchen raus. Mit vielen unsymmetrischen Räumen in grün und blau, Treppen, versteckten Gängen, große Marmorhallen in denen Bäume standen, plätschernde Bäche und Wasserbecken. Bilder gibt es zum Beispiel hier. Der Besuch dieses Plätzchens hat sich trotz aller Strapazen voll gelohnt. Abschließend gab es dann noch eine letzte gemeinsame Mahlzeit bevor sich unsere Wege wieder getrennt haben.
So ging dann ein extrem anstrengender Trip zu Ende. Die meiste gefühlte Zeit im Auto verbracht, kaum Schlaf und den ganzen Tag schnatternde Indonesier um mich herum. Aber all dies habe ich in Kauf genommen um die Vulkane zu sehen. Denn wer weiß ob ich jemals wieder die Gelegenheit dazu haben werde.
P.S.: Da ich momentan sehr viel Englisch schreibe und spreche, merke ich wie mein Deutsch langsam flöten geht. Ich entschuldige mich also abschließend für alle Rechtschreibfehler und grammatikalischen Ungereimtheiten.











